Werdegang der Freien Wähler in und um Borken

    Bereits Mitte der 50-ziger Jahre gab es in der Stadt Borken und den benachbarten Dörfern Freie Wählergemeinschaften. Bis zur kommunalen Gebietsreform 1972 waren sie völlig autonom. Mit der Eingemeindung nach Borken mussten die bis dahin selbständig handelnden Gruppierungen umdenken. Schon allein deshalb, weil die Stadtverordnetenversammlung der Großgemeinde jetzt allein über das Wohl und Wehe der neuen Stadtteile zu bestimmen hatte.

    Standen z.B. Gemeindewahlen an, waren die lokalen Wählergruppen gezwungen, sich auf einen gemeinsamen Wahlvorschlag zu einigen. Über die Besetzung der vorderen Listenplätze kam es dabei regelmäßig zu Differenzen. Nicht die Eignung eines Kandidaten bestimmte den Platz auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag, sondern die versammelte Mehrheit einer Ortsgruppe und deren Kandidaten. Diese Art der Nominierung quittierten die Wähler mit geringem Interesse. So gab es von 1972 bis 1974 für die Zählgemeinschaft keinen Sitz im Stadtparlament und von 1974 bis 1989 landete man mit lediglich drei von 37 Abgeordneten im Stadtparlament.

    Aber bei der Gemeindewahl 1993, waren die FW plötzlich sehr erfolgreich. Neun Stadtverordnete und drei Stadträte! Ursächlich für diesen ruckartigen Erfolg war der von der Stadt erhobene Kläranlagebeitrag zum Bau des neuen Klärwerks in Gombeth. Statt der drei Einzelgänger saßen jetzt neun Individualisten aus sechs Stadtteilen im Parlament, die sich kaum kannten, aber in der Fraktion konstruktiv zusammenarbeiten mussten. Kirchturmpolitik war jetzt nicht mehr möglich. Die Freien Wähler mussten direkt auf Stadtpolitik umschalten. Außerdem brauchte man eine straffere Organisation, eine völlig neue Struktur, sowie eine gemeinsame politische Ausrichtung.

    Schon im Dezember des gleichen Jahres wurde mit der Gründung des FWG-Förderkreises ein erster Versuch unternommen, der sich aber als untauglich erwies. Nach vier Jahren reifte die Erkenntnis: Wir brauchen einen übergeordneten Stadtverband mit einer Satzung, die politische Ziele vorgibt und diese von der Fraktion einfordert. Deshalb wurde der Förderkreis wieder aufgelöst und am 12. Mai 1998 der FWG-Stadtverband „Freie Wählergemeinschaft Borken (Hessen)“ ins Leben gerufen. Das war die eigentliche Geburtsstunde der Freien Wähler in Borken. Nun gab es vor jeder Kommunalwahl eine Listenversammlung, die alle Bewerber auswählte und eine Geschäftsstelle, die der Fraktion zuarbeitete, deren Anfragen und Anträge formulierte, die FWG Borken im Kreis- und Landesverband der Freien Wähler vertrat sowie beim Gemeindewahlleiter alle Wahlvorschläge einreichte. Einmal jährlich gab es eine Mitgliederversammlung. Der Vorstand berichtete über das abgelaufene Geschäftsjahr und die Fraktion über die politische Arbeit im Stadtparlament und den städtischen Gremien. Auf diese Weise wuchsen mit der Zeit Förderer und Mandatsträger aus sechs Stadtteilen zu einer starken politischen Bürgerinitiative zusammen. Letztendlich war es diese Geschlossenheit, die uns Freie Wähler kommunalpolitisch so erfolgreich machte und bewirkte, dass wir fortan von der Wählerschaft als attraktive Wahlalternative gesehen wurden.

    Dies drückte sich dann auch in Zahlen aus. Bei jeder der folgenden Wahlen stieg die FWG in der Gunst der Wählerinnen und Wähler. Bei der Gemeindewahl 2011 wurde bereits ein Stimmenanteil von 27,2 % erreicht. Wie schnell wir auf politische Ereignisse reagieren können und wie schlagkräftig wir inzwischen sind, haben wir nach dem unerwarteten Rücktritt Bernd Heßler’s vom Amt des Bürgermeisters mehr als eindrucksvoll bewiesen: In kürzester Zeit haben wir einen eigenen Kandidaten nominiert, ein leistungsstarkes Wahlteam aufgestellt und einen alle Stadtteile umfassenden Wahlkampf sehr erfolgreich bestritten. Am 6. September 2015 wurde unser Kandidat Marcel Pritsch-Rehm mit 68,6 % aller Wählerstimmen zum neuen Bürgermeister gewählt.

    Bereits ein halbes Jahr später konnte die FWG (mit dem Rückenwind aus der Bürgermeisterwahl) bei der Gemeindewahl am 6. März 2016 nicht nur die absolute Mehrheit der SPD brechen, sondern sie mit 54,9 % der Wählerstimmen auch als führende Kraft im Stadtparlament ablösen. Bis zum Jahr 2021 wird sie dort mit 20 von 37 Sitzen die Mehrzahl der Abgeordneten stellen und in allen städtischen Gremien mehrheitlich vertreten sein.

    Für eine politische Bürgerinitiative ein mehr als beachtliches Ergebnis!

      CHRONIST: Wolfgang Lorenz

      Borken (Hessen), im März 2016


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